8. März Internationaler Frauentag

Frauengeschichtsbuch "Von Griet zu Emma"

"Beiträge zur Geschichte von Frauen in Duisburg vom Mittelalter bis heute"
Hg. Frauenbüro der Stadt Duisburg,
Duisburg, März 2000

Unter diesem Titel präsentiert das Frauenbüro in einem neuen Frauengeschichtsbuch auf 155 Seiten Arbeitsergebnisse der vergangenen 10 Jahre. "Mit unserem geringen Personalbestand", so Doris Freer, "konnten wir das Projekt auch dadurch realisieren, weil unsere Auszubildenden so engagiert mitgearbeitet haben."

Geschichte des Frauentages:
Warum am 8. März?
Das ArbeiterInnenleben am Anfang dieses Jahrhunderts war elend und hart. Am 8. März 1857 waren die Textilarbeiterinnen in New York in einen Streik getreten. Anderen Quellen zufolge wurde der Tag im Gedenken an 129 Arbeiterinnen gewählt. Diese sind im Kampf um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen am 8. März 1908 zusammen mit anderen Arbeiterinnen ihrer Textilfabrik Cotton in New York in den Streik getreten. Um eine Solidarisierung der Gewerkschaften und anderer Belegschaften zu verhindern, wurden diese Frauen vom Fabrikbesitzer und den Aufsehern in der Fabrik eingeschlossen. Aus ungeklärten Gründen brach in der Textilfabrik ein Brand aus und zerstörte sie gänzlich. Nur wenigen der eingesperrten Arbeiterinnen gelang die Flucht; 129 Arbeiterinnen starben in den Flammen.
Die Wurzeln des 8. Märzes liegen also in der Tradition proletarischer Frauenkämpfe. Im selben Jahr demonstrierten weitere Textil- und Tabakarbeiterinnen.

1909 streikten 20.000 Näherinnen von Manhatten. Tausende wurden verhaftet, doch die Unternehmer mussten ihren Forderungen nach 2-monatigem entschlossenem Streik nachgeben. So waren es dann nordamerikanische Sozialistinnen, die 1909 das erste Mal auf nationaler Ebene einen speziellen Frauenkampftag durchführten. «...am letzten Februarsonntag sollen grosse Veranstaltungen zur Propagierung des Frauenwahlrechts und der sozialistischen Ideen organisiert werden».
In Europa beschloß die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz (100 Delegierte aus 17 Ländern) auf Initiative von Clara Zetkin am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages für die Interessen der Frauen gegen mehrfache Ausbeutung und Unterdrückung. Themen waren also die Gleichberechtigung der Frauen, ihr Wahl- und Stimmrecht, sowie der Kampf gegen den imperialistischen Krieg.


Der erste internationale Frauentag fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Millionen von Frauen beteiligten sich. Die Wahl diesesDatums sollte den revolutionären Charakter des Frauentags unterstreichen, weil der 18. März der Gedenktag für die Gefallenen in Berlin während der Revolution 1848 war, und auch die Pariser Commune in den Monat März fiel. In den folgenden Jahren wurde der Internationale Frauentag jährlich zwischen Februar und April begangen.
Die Festlegung des Internationalen Frauentages auf den 8. März erfolgte 1921 durch Beschluss der 2. Kommunistischen Frauenkonferenz. Damit sollte an den Textilarbeiterinnen-Streik in Petersburg erinnert werden, der auf andere Sektoren übergriff und eine große Arbeiterinnendemonstration auslöste. Diese Kämpfe fanden anlässlich des Frauentages am 8. März 1917 statt - nach dem alten russischen Kalender am 23. Februar - und lösten den Beginn der "Februarrevolution" aus.
Einen starken Rückschritt brachte in Deutschland die NS-Ideologie von der Rolle der Frau als Ehefrau und Mutter. 1932 wurde der Frauentag von den Nationalsozialisten verboten und durch den Muttertag ersetzt.

O-Ton Adolf Hitler zur Rolle der Frau


Nach dem 2. Weltkrieg fanden in der sowjetischen Besatzungszone bereits 1946 wieder Feiern zum Frauentag statt. In den sozialistischen Ländern wurde die gesellschaftliche Befreiung der Frau gefeiert und der Tag mit offiziellen Feiern für die Frauen organisiert. In Westdeutschland wurde der Frauentag erst in den späten 60er Jahren von der neuen, autonomen Frauenbewegung wiederbelebt. Der 8. März wurde zu einer wichtigen Plattform der Frauenbewegung. Themen wie die Rechte von Ausländerinnen, die Diskriminierung von nichtheterosexuellen Lebensweisen und die bessere Sicherung der Frauenrechte im Rahmen der europäischen Annäherung werden aufgegriffen.

1975 Im Internationalen Jahr der Frau griffen die Vereinten Nationen die Idee wieder auf. Seitdem rufen sie jährlich zum "Internationalen Tag der Rechte der Frauen und den Weltfrieden" am 8. März auf. Er soll bewusst machen, dass "nirgendwo in der Welt Frauen tatsächlich die gleichen Rechte und Möglichkeiten wie Männer haben"."

1994 Ein Höhepunkt war der 8. März 1994, der in der Bundesrepublick als Frauen-Streik-Tag in die Geschichte einging. Auch in Duisburg gab es eine große Aktion dazu.

  • Frauen sind die Hälfte der Weltbevölkerung,
  • leisten zwei Drittel der Arbeitsstunden,
  • erhalten ein Zehntel des Welteinkommens,
  • besitzen weniger als ein Hundertstel des Eigentums der Welt.

Deshalb ist es heute noch wichtig, dass der 8. März begangen wird, um auf die Situation der Frauen aufmerksam zu machen.

1986 feierte der Frauentag seinen 75. Geburtstag. Dieser Frauentag stand unter dem Motto:

 

Wir wollen Brot und Rosen!

Brot steht für:

  • Recht auf Arbeit
  • Gerechte Entlohnung
  • Gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen
  • Menschgerechte Arbeitsbedingungen
  • Berufliche Entfaltung und Fortentwicklung
  • Eigenständige soziale Sicherung für die Frau

Rosen steht für:

  • Die Möglichkeit mit Kindern zu leben und berufstätig zu sein
  • Familiengerechte Arbeitszeiten
  • Die Befriedigung kultureller Bedürfnisse
  • Eine menschenwürdige Wohn- und Lebensumwelt
  • Die gleichberechtigte Teilhabe von Männern an Hausarbeit und Kindererziehung
  • Humane Politikformen
  • Toleranz
  • Frieden

Diese Forderungen haben bis zum heutigen Tage nicht an Aktualität verloren.

Brot und Rosen

Lied aus dem Jahre 1912, entstanden bei einem Streik von 14.000 Textilarbeiterinnen und Arbeitern gegen Hungerlöhne und Kinderarbeit in Lawrence, USA.
'Brot und Rosen!' - Diese Worte wurden zum Motto der amerikanischen Frauenbewegung

1. Wenn wir zusammen gehen, geht mit uns ein schöner Tag,
durch all die dunklen Küchen und wo grau ein Werkshof lag,
beginnt plötzlich die Sonne unsre arme Welt zu kosen,
und jeder hört uns singen: Brot und Rosen

2. Wenn wir zusammen gehn kämpfen wir auch für den Mann
weil unbemuttert kein Mensch auf die Erde kommen kann.
Und wenn ein Leben mehr ist, als nur Arbeit Schweiss und Bauch,
woll'n wir mehr, gebt uns das Leben, doch gebt die Rosen auch!

3. Wenn wir zusammen gehn, gehn unsre Toten mit,
ihr ungehörter Schrei nach Brot schreit auch durch unser Lied,
sie hatten für die Schönheit, Liebe, Kunst erschöpft nie Ruh,
drum kämpfen wir ums Brot, und um die Rosen dazu.

4. Wenn wir zusammen gehn, kommt mit uns ein bessrer Tag.
Die Menschen die sich wehren, wehren aller Menschen Plag.
Zu Ende sei, dass kleine Leute schuften für die Grossen!
Her mit dem ganzen Leben: Brot und Rosen!