Woher kommt der Muttertag?
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aus KLEINES WEIBERLEXIKON; Hrsg. Florence Hervè, Elly Steinmann, Renate Wurms, Dortmund 1985
Muttertag: Festtag zu Ehren der Mütter am zweiten Sonntag im Mai
"Lange Zeit galt der Muttertag als Erfindung des Nationalsozialismus. Nach Recherchen wurde er der Amerikanerin Ann Jarvis zugeschrieben. Nun haben wir herausgefunden, daß 390 v.u.Z. in Italien am ersten Tag des Mars, dem Geburtstag des Kriegsgottes, des Sohnes der römischen Hauptgöttin Juno, die "Matronalia" gefeiert wurden, ein Fest der Mütter und Matronen, an dem die Frauen Geschenke erhielten.
Ende des 19. Jhs.
gab es in Frankreich
"Mutter-Festtage"
mit bevölkerungsfördernder
Zielsetzung. 1897 sah die "Nationale
Allianz gegen Bevölkerungsrückgang" in
Frankreich eine Feier für kinderreiche Familien vor. 1907 gab
es, ebenfalls in Frankreich, ein Fest für verdiente Mütter, mit
Demonstrationen und mit der Aushändigung eines Dploms für "verdiente
Mütter".
Die Amerikanerin Ann Jarvis warb 1907, am zweiten Todestag ihrer Mutter für die Idee, dass alle Menschen einen Tag des Jahres sich der Ehrung der Mütter widmen. Sie wandte sich zugleich energische gegen eine kommerzielle Ausnutzung des Muttertages.
1912 übernahmen die amerikanischen Methodisten den Muttertag als kirchlichen Feiertag. Bereits ein Jahr später wurde dieser "General Memorial Day of All Mothers" zu Ehren der Mütter in 45 Bundesstaaten der USA gefeiert. Präsident Wilson und der Kongress der Vereinigten Staaten erklärten 1914 den Muttertag zum offiziellen Festtag. Gleichzeitig faßte diese Idee in Großbritannien Fuß: die "Mothering Sunday Movement" setzte sich für diesen Ehrentag ein, anknüpfend an Mitfasten-Traditionen des 16. Jahrhunderts. 1917 wurde diese Idee von der Heilsarmee in die Schweiz hineingetragen. 1918 wurde in Frankreich am "Muttertag" den verdienten Familien Prämien von einem Colonel in Lyon übergeben (1926 gab es ein Ministerialdekret, wonach alle verdienten Mütter Mutterkreuze bekamen, 1950 wurde das Gesetz zum Muttertag verabschiedet) In den Nachkriegsjahren übernahmen die skandinavischen Länder den Muttertag.
1922 beschloss der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber, den Muttertag in Deutschland einzuführen. Er wurde am 13. Mai 1923 begangen. Die Blumenhändler bemühten sich, "aus optischen Gründen die ideelle Seite des Tages für die 'Stillen Heldinnen des Volkes' herauszustellen."
1933 wurde der Muttertag von den Nationalsozialisten zum nationalen Feiertag erklärt: "Der Muttertag ist der Tag der Ehrung und Würdigung des Muttertums, vom Nationalsozialismus in den Dienst seiner Erziehung zu vertieftem Familienleben als der biologische und sittlichen Grundlage des völkischen Staates gestellt." (Brockhaus 1942)
Der Muttertag wurde am zweiten, ab 1938 am dritten Sonntag im Mai begangen. "Als sichtbares Zeichen des Dankes des deutschen Volkes an kinderreiche Familien stifte ich das Ehrenkreuz der deutschen Mutter" (Reichsgesetzblatt von 1938; der Stifter hieß Adolf Hitler). Die Mütter sollten "erbtüchtig" und "deutschblütig" sein. So erhielten die Mütter ein bronzenes Mutterkreuz für vier Kinder, ein silbernes für sechs, ein goldenes für acht Kinder. Beim Entwurf des Mutterkreuzes lieferte Sakrales das Vorbild: das Marianer-Damenkreuz des Deutschen Ritterordens (1190 in Jerusalem als geistlicher Ritterorden gegründet).
In den letzten Jahren wenden sich Frauen zunehmend gegen die kommerzielle Ausnutzung des Muttertags und gegen die "Ehre" der Mutter an einem Tag, während sie sich an 364 Tagen für die Familie aufopfern muss und benachteiligt wird. Sie wollen nicht nur Blumen, Pralinen und gute Worte."

1940 bis 1949:
Mütter in der Rüstungsindustrie
und Trümmerfrauen
Der
Männermangel an der "Heimatfront" führt dazu, dass
immer mehr Frauen als Arbeitskräfte eingesetzt werden, insbesondere in
der Rüstungsindustrie und als Helferinnen der Wehrmacht. Anfang 1943
wird eine Meldepflicht für arbeitsfähige Frauen eingeführt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg machen sich die "Trümmerfrauen"
in Deutschland an den Wiederaufbau. Die Erwerbstätigkeit der Frauen
ist durch den Männermangel sehr hoch.
1950 bis 1967:
Zwischen "Rabenmutter" und "Supermutti"
In
den 50er Jahren wird der Muttertag in der Bundesrepublik wiederbelebt und
die Mutterschaft als "wahres Glück der Frau"wiederentdeckt.
1950 wird das Müttergenesungswerk gegründet; 1952
der Mutterschutz ausgeweitet. Familien erhalten seit 1954 Kindergeld. Die
1956 veröffentlichte Studie "Kinder erwerbstätiger Mütter"
des Sozialwissenschaftlers Otto Speck ist Ausgangspunkt der Diskussion
um die sogenannten "Schlüsselkinder". Mit dem Gesetz über
die Gleichberechtigung von Mann und Frau 1958 fallen u.a. das Alleinentscheidungsrecht
des Mannes in der Ehe und das väterliche Erziehungsvorrecht. In der DDR
wird der Muttertag durch den Internationalen Frauentag am 8. März
ersetzt.
1963 bis 1973:
Loslösung vom traditionellen Frauenbild
In
der ersten Rezession seit dem Wirtschaftswunder steigt die Arbeitslosigkeit
der Frauen sehr viel stärker als die der Männer. Die neue Frauenbewegung
entsteht mit einem neuen Selbstverständnis der Frauen. Um selbst politisch
aktiv werden zu können, organisieren Frauen Kinderläden. 1965
tritt ein verbessertes Mutterschutzrecht in Kraft. In der DDR standen
auch die 60er Jahre im Zeichen der Integration möglichst vieler
Frauen in die Arbeitswelt.
1974 bis 1983:
Späte Diskussion über Lebensmodelle
Die
Diskussion über unterschiedliche Lebensmodelle von Müttern ist in
der Bundesrepublik im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern
stark ideologisch geprägt. Rechtliche Verbesserungen für Frauen
und Mütter bringen das Erstes Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts
(1977), das Gesetz zur Einführung des Mutterschaftsurlaubs
(1979) und das Unterhaltsvorschussgesetz (1980).
1984 bis 1993:
"Neue Mütterlichkeit" und Doppelbelastung der Frauen
Mit
der konservativen Wende wird auch die "Neue Mütterlichkeit"
propagiert. Die gesellschaftliche Zuständigkeit der Frauen für Kinderbetreuung
und Haushalt wird sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland nicht angetastet.
Sie führt zur Doppelbelastung für die auch in der Bundesrepublik
steigende Zahl berufstätiger Mütter. Es gibt in Westdeutcvhland
kaum Kinderkrippen, Ganztagsschulen, Teilzeitstellen oder gleitende Arbeitszeiten.
Unter dem Motto "Nicht
nur Blumen - Rechte fordern wir" wandten sich 1984 zweihundertdreizehn
Frauenpersönlichkeiten an die Öffentlichkeit und riefen dazu auf,
am Muttertag gegen die Politik der Bundesregierung, gegen die Rechtswende,
für die Verteidigung der Frauenrechte und des Friedens zu demonstrieren.
So machten am 12. Mai 1984 15.000 Frauen "Putz in Bonn".
Daraus entstand die 'Aktion Muttertag'.
1986 tritt das Bundeserziehungsgeldgesetz in Kraft.
1994 bis 2003: Von
der Gleichberechtigung zur tatsächliche Gleichstellung
1994 wird das Grundgesetz in Artikel 3 Absatz 2 ergänzt:
"Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung
von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile
hin". Ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für
Kinder ab Vollendung des dritten Lebensjahres gilt seit 1996. Das Mutterschutzgesetz
wird weiter verbessert. Zwischen 1999 und 2002 wird das Kindergeld
dreimal angehoben. Der alte Erziehungsurlaub wird 2001 durch
die Elternzeit mit Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit ersetzt.
Quelle:
Pressestelle BMFSFJ
Pressemitteilung Nr. 54
Veröffentlicht am 9. Mai 2003

Wie bei vielen unserer heutigen Feste und Ehrentage ist deren Ursprung schon im Altertum zu finden. In der Encyclopædia Britannica (1959, Bd. 15, S. 849) ist zu lesen: „Ein Fest, das von dem Brauch des Mutterkults im alten Griechenland abgeleitet wurde. Ein förmlicher Mutterkult mit Zeremonien für Kybele oder Rhea, die große Göttermutter, wurde an den Ideen des März in ganz Kleinasien getrieben."
Im mittelalterlichen England wurde schon um 1644 berichtet: "Every Mid-Lent Sunday is a great day at Worcester, when all the children and grantchildren meet at the head and chief of the family and have a feast. They call it Mothering Day."
Der hier gemeinte Sonntag (Lätare) wurde von auswärts lebenden Kinder genutzt um die Eltern zu besuchen (go a-mothering) und sich bei der Mutter mit kleinen Geschenken zu bedanken.
In Thüringen war Lätare (Mittfastensonntag) allgemeiner Besuchstag mit großzügiger Bewirtung von Verwandten. Ähnliche Traditionen sind aus der Champagne und aus Wallonien bekannt.
Auch der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe schrieb quasi als Hommage an seine Mutter: "Vom Vater hab´ ich die Natur, des Lebens ernstes Führen, vom Mütterchen die Frohnatur, die Lust zu fabulieren."
In den kommunistisch regierten Staaten fiel der Muttertag mit dem internationalen Frauentag am 8. März zusammen.
Auch heutzutage werden zum
Muttertag immer noch mehr Blumen verschenkt als zum Valentinstag. Einige nachdenkliche
Betrachtungen zur Entwicklung des Muttertages sind im Frauen-E-Zine "frauennews"
zu finden.
Kritische
Website zum Muttertag: 
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rechte... MfG Bundschuh MitstreiterInnen
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Muttertag Du stürmst ins Haus bringst
Blumen ihr, Versonnen bleibt die Mutter stehn. Du hast mich lang nicht mehr besucht, Ich hab doch immer Zeit gehabt
Gedicht von Siegrun Graume Auf Ihrer Homepage Literatursofa
sind weitere schöne Gedichte, und nicht nur zum Muttertag, zu finden.
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